Hans Kinder

Hans Kinder (geb. 6. August 1900 in Dresden; † 20. Januar 1986 in Dresden)

Hans Kinder wurde in Dresden geboren und besuchte dort ein Gymnasium. Im Jahr 1916 begann er ein Studium an der Dresdner Kunstgewerbeschule.

Im Ersten Weltkrieg wurde er 1918 verwundet und musste bis 1920 in einem Lazarett bleiben. Aus seiner 1921 geschlossenen Ehe mit Gertrud Rühle entstammen zwei Kinder.

In Dresden studierte er ab 1925 an der Akademie der Künste, nachdem er zuvor ein Jahr in Weimar am Bauhaus studierte. Ab 1926 war er Meisterschüler von Max Feldbauer und bezog ein eigenes Atelier. 1932 im Fach Wandmalerei abschloss. Bis 1939 arbeitet er freischaffend. Von 1939 bis 1945 nahm er als Soldat am Zweiten Weltkrieg teil. Während eines Kriegsurlaubs in Paris lernte er auf Vermittlung von Ernst Jünger 1942 den Maler Pablo Picasso kennen. Kinder notierte 1976 rückblickend, dass Picassos Werk seine Arbeit stets stark beeinflusst habe.[2] Einige wenige Werke dieser Zeit beschäftigen sich mit den Kriegserlebnissen, „zeigen erschöpfte Soldaten, hoffnungslose Kriegsgefangene und zerstörte Häuser“.[2] Kinder selbst geriet in britische Kriegsgefangenschaft, aus der er im Oktober 1945 nach Dresden zurückkehrte. Ab 1945 arbeitete Kinder freischaffend in Dresden, schuf baugebundene Arbeiten und erneut Wandbilder. Kinder wurde 1947 Mitglied der Künstlergruppe „Das Ufer“ und arbeitete von 1952 bis 1953 als Leiter der „1. Sozialistischen Künstlerbrigade Schloss Rammenau“. Er setzte sich intensiv mit dem Formalismusstreit auseinander und distanzierte sich in der Folge von der staatlich gelenkten Kunst. Er veröffentlichte 1953 seine Schrift Erkenntnisse meiner Studien über die objektiven Wirkungsgesetze von Form und Farbe. Die pantomimische Abstraktion Marcel Marceaus (hier 1977) prägte Kinders Werk wesentlich Im Jahr 1954 besuchte Kinder eine Vorstellung des Pantomimen Marcel Marceau, die ihn tief beeindruckte und die „von herausragender Bedeutung für das Schaffen Hans Kinders war“.[3] Marceaus pantomimische Abstraktion führte Kinder durch intensive Beschäftigungen mit Bewegungsabläufen und deren Abstraktion zu einer Reduzierung und zunehmenden Abstraktion im eigenen Werk. Erste Werke zu Marceau entstanden bereits 1963. Erst 1968 traf Kinder Marceau persönlich und begann zu dieser Zeit eine systematische Arbeit am sogenannten „Marceau-Zyklus“, verschiedenen Gouachen. Erhalten haben sich rund 40 Werke zu Marceau aus der Zeit nach 1969 bis 1984. Von 1957 an hielt sich Kinder im Sommer regelmäßig in Ahrenshoop auf und bezog hier ein kleines Atelier in einer Kate am Grenzweg. Sein Dresdner Atelier befand sich auf der Münzmeisterstraße 40 in Kleinpestitz. Es folgten größere Auftragsarbeiten, darunter die künstlerische Innengestaltung des Leipziger Opernhauses von 1958 bis 1960. Er lernte 1964 Horst Zickelbein kennen, mit dem er bis zu seinem Tod befreundet war. Den Tod seiner Ehefrau im Jahr 1981 verarbeitete Kinder im 23 Blätter umfassenden Orpheus-Zyklus. Insgesamt entstanden vier Zyklen nach dem Tod der Ehefrau; rund ein Viertel aller überlieferten Arbeiten Kinders stammt aus der Zeit von 1981 bis 1986.[4] Dem 1985 begonnenen A-Zyklus werden rund 30 Blätter zugeordnet; er blieb unvollendet. Kinder starb 1986 in Dresden und fand seine letzte Ruhe zunächst auf dem Friedhof in Leubnitz-Neuostra; er wurde später nach Ahrenshoop umgebettet. In Ahrenshoop, wo nach ihm die Hans-Kinder-Straße benannt ist, ist eine Gedenkstätte für Kinder geplant. Noch vor seinem Tod hatte Kinder seine theoretischen Schriften, Aufzeichnungen und Tagebücher der Sächsischen Landesbibliothek übergeben. Eine systematische Aufarbeitung auch der rund 1500 erhaltenen Werke Kinders steht bisher aus.